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Einführung

Festakt zur Aufnahme der Original-Partitur der Sinfonie Nr. 9, d-Moll op. 125 in das Register Memory of the World der UNESCO

Eine völkerverbindende Sinfonie

Kurz nach dem Fall der Berliner Mauer Ende 1989 eilte Leonard Bernstein nach Berlin. Mit Musik unterstrich er die weltumspannende Freude über das Ende der Trennung der Menschen in Ost und West und schenkte den Berlinern in beiden Teilen der Stadt je ein Konzert. Bernstein dirigierte Beethovens 9. Sinfonie. Nur dieses Werk erschien ihm geeignet, die große Begeisterung jener Zeit wiederzugeben - und Millionen von Zuschauern in 36 Ländern, die die Übertragung verfolgten, gaben ihm Recht.

Kein zweites Werk der sinfonischen Literatur hat eine so breite und vielschichtige Rezeptionsgeschichte entfaltet wie Ludwig van Beethovens 9. Sinfonie. Sie markierte im 19. Jahrhundert eine bedeutsame Entwicklung: Zum ersten Mal wurde in ein sinfonisches Werk die menschliche Stimme einbezogen, indem Beethoven die "Ode an die Freude" von Friedrich Schiller im Finale vertonte. Ihre Wirkung reicht seither weit über den musikalischen Bereich hinaus; sie hat Dichter, Schriftsteller und bildende Künstler inspiriert und tiefgreifende ästhetische und philosophische Erörterungen und Diskussionen ausgelöst. Vor allem aber hat sie, seitdem sie im Mai 1824 zum ersten Mal erklang, zu allen Zeiten den Menschen guten Willens ihre Botschaft verkündet, die Idee von der Freude und der weltumspannenden Brüderlichkeit unter den Menschen.

In der Musikabteilung der Staatsbibliothek zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz im Haus Unter den Linden befindet sich nahezu vollständig das Autograph der zwischen 1822 und 1824 entstandenen 9. Sinfonie. Die im Beethoven-Haus Bonn aufbewahrten zwei Blätter aus dem 2. Satz sowie drei Blätter aus dem Finalsatz, die in der Bibliothèque Nationale in Paris liegen, ergänzen dieses Autograph.

Justus Frantz
Justus Frantz

Würdigung des Werkes durch die United Nations Educational, Scientific and Cultural Organization

Die UNESCO nahm am 4. September 2001 die Original Partitur der Sinfonie Nr.9, d-Moll op.125 in das Register Memory of the World auf, wo sie nun in einer Reihe mit herausragenden Zeugnissen der Geisteswelt der Menschheit steht. Die Staatsbibliothek zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz versteht dies zum einen als Würdigung der jahrhundertlangen Sammlungstätigkeit der Bibliothek, zugleich aber auch als Verpflichtung, die ihr anvertrauten Kulturgüter auf Dauer zu bewahren und zu erhalten.

Konzerthaus am Gendarmenmarkt
Konzerthaus am Gendarmenmarkt

Die UNESCO begründete die Aufnahme der Partitur in das Register Memory of the World unter anderem so: "... Its influence on the history of music was decisive and intense in the 19th and 20th century and not restricted to the genre of symphonies.... Many orchestras play this work traditionally at New Year's Eve, stressing the symbolical power of the symphony... After the fall of the Berlin Wall in 1989 this symphony got a special importance for people from East and West in Germany but also in Eastern Europe. This demonstrates the significance of this music in the peoples' memory and consciousness."

Wolfgang Thierse
Wolfgang Thierse

Mit einem Festakt am 12. Januar 2003 im Konzerthaus am Gendarmenmarkt in Berlin wurde die Urkunde zur Aufnahme der Handschrift in das UNESCO-Register im Beisein zahlreicher prominenter Gäste aus Politik, Wirtschaft und Kultur an den Generaldirektor der Staatsbibliothek zu Berlin übergeben. Die 9. Sinfonie wurde anschließend von der Philharmonie der Nationen - einem weltweiten Zusammenschluss junger Nachwuchskünstler - aufgeführt. Das Festkonzert fand mit großzügiger Unterstützung der Montblanc International GmbH statt.

Die Berliner Beethoven-Sammlung

Die Handschrift ist Bestandteil der weltweit bedeutendsten Quellen-Sammlung zu Werken des Komponisten in der Staatsbibliothek zu Berlin. Die hiesige Beethoven-Sammlung, deren Geschichte 1841 begann und die durch gezielte Erwerbungen rasch ausgebaut wurde, umfasst neben zahlreichen Skizzenbüchern sowie Konversationsheften und Briefen rund ein Drittel seines jemals in öffentlichen Besitz gelangten handschriftlichen kompositorischen Nachlasses. Fast alle großen Werke Beethovens oder zumindest Teile davon sind im Besitz der Staatsbibliothek zu Berlin, so die Sinfonien Nr. 4, 5, 8 und 9, die Klavierkonzerte Nr. 1-3 und 5, die Missa solemnis, die Oper "Fidelio", die Schauspielmusik zu Goethes "Egmont", Quartette, Sonaten und Lieder. Gut ein Zehntel der Beethoven-Autographe aus dem Bestand der ehemaligen Preußischen Staatsbibliothek, heute Staatsbibliothek zu Berlin, werden derzeit in der Jagellionischen Bibliothek in Krakau aufbewahrt. Die Staatsbibliothek publiziert in Zusammenarbeit mit der Jagellionischen Bibliothek eine Mikrofiche-Edition der gesamten Beethoven-Sammlung im De Gruyter Saur Verlag München.